Die Hörbären kommen!

Von zweien, die auszogen, das Hören zu lehren

Gerade erst hatten Erik Foth und José Höpper ihr Hörgerätestudio in Berlin Spandau eröffnet und als Jung-Unternehmer alle Hände voll zu tun, als sie einen Anruf von der Arbeiterwohlfahrt erhielten. Dringend gesucht wurde ein Studio, das für einen Geflüchteten die Hörgeräteversorgung übernehmen würde.

Keine besonders spezielle Anfrage, sollte man meinen. Eine Hörhilfe erhält man in Deutschland regulär ganz einfach auf Rezept. Doch gilt das nicht für alle Menschen. Wer als Asylbewerber*in in Deutschland lebt, hat bis zur Anerkennung des Asylgesuchs nur Anspruch auf eine medizinische Notfallversorgung – eine für schwerhörige Menschen notwendige Lebenshilfe wie ein Hörgerät ist da nicht inbegriffen.

Ein paar Monate warten, das macht ja nichts, kann man sagen. Doch wer eine neue Sprache lernen möchte – und um seiner Mitwirkungspflicht im neuen Land nachzukommen, auch lernen muss –, für den*die ist Hören unerlässlich. Das beginnt beim Zugang zu den Deutschkursen: Der Geflüchtete etwa, für den sich die AWO bei den Hörbären um ein Hörgerät bemühte, wurde immer wieder abgelehnt. Sein Hörvermögen sei bereits für die eigene Muttersprache nicht ausreichend, die wenigen Plätze im Kurs unter diesen Umständen besser an andere zu vergeben.

Und auch einsam und orientierungslos kann das Leben ohne Hörhilfe sein. „Menschen mit vermindertem Hörvermögen lernen über die Jahre, sich noch stärker als andere an Körpersprache und Mimik zu orientieren. Doch die sind in verschiedenen Kulturen ganz unterschiedlich. Ohne die Möglichkeit, die neue Sprache schnell verstehen zu lernen, leiden viele hörgeschädigte Geflüchtete darunter, von ihrer Umgebung abgeschnitten zu sein“, erklärt José Höpper.

Mit seinem Partner Erik Foth entschloss er sich daher dafür, unkompliziert zu helfen. Seit mehreren Monaten touren die beiden regelmäßig durch die Geflüchteten-Unterkünfte Berlins und bieten kostenlose Hörtests an. Zeigt die Hörkurve an, dass eine Versorgung notwendig ist, bestellen sie die Hörgeräte und passen sie in einem zweiten Ortstermin an.

José Höpper beim Beratungsgespräch in der Notunterkunft

Das besondere dabei: Nicht nur die Kosten für die Anfahrt tragen die Hörbären selbst. Asylbewerber*innen, die noch im Asylverfahren sind und nicht über die Krankenkassen abgerechnet werden können, erhalten auch die Geräte kostenfrei. „Wir möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben und Geflüchtete unterstützen“, sagt Erik Foth. „Als Akustiker ist das unser Weg, einen Beitrag zu leisten.“

Von dieser tollen Initiative konnten zuletzt unsere Bewohner*innen in den Notunterkünften Paulsternstaße und Flughafen Tempelhof profitieren. In ihrem Namen möchten wir uns herzlich bei José Höpper und Erik Foth bedanken. Wirklich Bärenstark!

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