DREI-Tag der Deutschen Einheit

Sophia Schäfer

TAMAJA-Mitarbeiterin Kommunikation

Holger Kaschke 

TAMAJA-Mitarbeiter Hausmeister

Mukadder Güngör

TAMAJA-Mitarbeiterin Produktion

DREI

Wie hast du den Tag der deutschen Einheit erlebt?

Sophia Schäfer: Als große Überraschung – aus einem Schulbuch in der 5. Klasse! Ich kam als Kind erst 1990 nach Deutschland. Und obwohl wir eine offene und gesellschaftlich engagierte (deutsche) Familie sind, war dieses Thema vollständig an mir vorbeigezogen, bis es in der Schule auf dem Lehrplan stand. Da wirkte dann beides – die Deutsche Teilung und die Tatsache, noch nie davon gehört zu haben – völlig abstrus auf mich.

Holger Kaschke: Ich hatte eine Spätschicht, war also arbeiten und habe es im Radio gehört. Wir waren ganz überrascht und konnten es gar nicht glauben. Anschließend bin ich zum Kurfürstendamm gegangen und habe mit all meinen Freunden gefeiert.

Mukadder Güngör: Ich hatte keine Berührungspunkte mit dem "Osten“. Ich war 13 Jahre alt und habe alles im TV verfolgt. Ich denke, dass es ein sehr bedeutender Tag für alle war. Viel weiß ich nicht mehr, nur dass am Ende die Supermärkte leer waren.

Was denkst du über diesen Feiertag?

Sophia Schäfer: Ich finde es wichtig und richtig, die Deutsche Einheit zu feiern. Nicht etwa, weil ich so etwas wie Nationalstolz hegen würde. Mir geht es um das Gedenken an die vielen Jahre der Teilung: Nur das Erinnern an schmerzhafte Erfahrungen schützt uns vor der Wiederholung von furchtbaren Fehlern. Menschen zu Gefangenen von Ideologien zu machen, Identitäten zu zerstören und Familien zu trennen kann für mich keine Lösung sein – damals ebenso wenig wie heute.

Holger Kaschke: Ich finde den Tag sehr wichtig. Das war ein großer Tag für uns alle. Ich kam 1975 aus Thüringen nach Berlin und konnte plötzlich meine Familie wieder sehen, ohne dafür zu bezahlen. Ohne Kontrollen, einfach so. Mann musste ja 25 Deutsch Mark bezahlen, um in die DDR zu kommen. So viel konntest du dort gar nicht ausgeben, außer vielleicht für Bier (lacht).

Mukadder Güngör: Ich finde ihn sehr wichtig und gut als eine Art Memorial. Ich hoffe, dass der Feiertag die Menschen auch daran erinnert und eventuell sogar dazu beiträgt, dass wir eine „Einheit“ werden.

Empfindest du Deutschland denn überhaupt als eine Einheit?

Sophia Schäfer: Schwierige Frage.. Ich finde es bestürzend, dass mehr als 25 Jahre nach der Wiedervereinigung weiterhin so starke Unterschiede bestehen, z.B. in den Löhnen. Die wirtschaftlichen Nachteile in den neuen Bundesländern schlagen sich nicht zuletzt darin nieder, dass rechtes Gedankengut und Ausländerfeindlichkeit hier viel zu oft auf fruchtbaren Boden fallen. Das ist eins von vielen Problemen, derzeit aber besonders dringlich.

Demokratie bedeutet, andere Meinungen und Lebensentwürfe, Unterschiede generell auszuhalten und als Chance zu nutzen. Ich wünsche mir ein Deutschland, in dem wir in unserem demokratischen Verständnis und unserer Verpflichtung den universellen Menschenrechten gegenüber stärker geeint sind!

Holger Kaschke: Noch sind wir nicht zusammengewachsen. So lange wir, die Älteren, noch die Mauer kennen, wird es wahrscheinlich auch so bleiben: Dieser Ost-West Gedanke wird noch lange bestehen bleiben, weil er in den Köpfen verankert ist.

Ich hab mir ein Haus in Triplin gekauft, das wäre damals nicht möglich gewesen. Es lohnt sich, da mal vorbei zu schauen!

Mukadder Güngör: Leider nicht. Es gibt noch ein Schubladendenken: die Ossis, die Wessis, der Norden, Bayern etc. Ich wünschte, die Menschen würden die Bürden des 3. Reiches abschütteln und sich auch freuen, Deutsche zu sein, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und sich schuldig zu fühlen. Deutschland ist ein sehr schönes Land, ein Sozialstaat, in dem es viele Möglichkeiten für fast Jedermann gibt, das sollte mehr geschätzt werden.

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