Die TAMAJA-Familienlots*innen

Im Rahmen des Masterplans „Integration und Sicherheit“ beschloss der Berliner Senat im Sommer letzen Jahres die Förderung sogenannter Sprungbrettangebote. Die TAMAJA hat diese Fördermöglichkeit genutzt, um mit ihrem Projekt „Familienlots*innen“ geflüchteten Familien den ersten Schritt in den neuen Kulturraum zu erleichtern.

Seit Oktober 2016 – und bis Förderende voraussichtlich im Spätsommer diesen Jahres – kümmern sich Ahmad Smaisem, Piman Hassan, Amin Hamzeloui Farsi und Safa El-Mahmoud darum, Familien aus der Notunterkunft Flughafen Tempelhof in ihr neues soziales Umfeld einzuführen.

Ebenso wie unsere Bewohner*innen haben die Lots*innen einen Migrations- oder zum Teil auch Fluchthintergrund, sind aber im nachbarschaftlichen Umfeld – und den deutschen Strukturen – bereits angekommen. Sie sprechen neben Deutsch auch Arabisch, Kurdisch oder Farsi und bringen so die besten Voraussetzungen mit, um den Familien, die sie betreuen, einen Zugang zur Gesellschaft aufzuzeigen.

„Gemeinsam mit den Familien besuche ich oft Familienzentren, damit die Kinder, die noch keinen Kitaplatz haben, trotzdem raus kommen“ erzählt Piman, Lotsin aus Hangar 6. Auch sie ist vor mehr als 15 Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflohen und wünscht sich für die Familien, dass sie so schnell wie möglich ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Über die sozialräumlich angebundene Freizeitgestaltung hinaus unterstützen die Lots*innen die Bewohner*innen bei der Klärung privater Angelegenheiten und Behördengängen. Gemeinsame Besuche beim Jobcenter, Bürgeramt, Gesundheitsamt oder bei der Bank sind ebenso Teil der Arbeit wie persönliche Gespräche.

Innerhalb der Unterkunft im Tempelhofer Flughafen ist jede*r Lots*in einem Hangar zugeteilt, wobei ein regelmäßiger Austausch und gegenseitige Hilfestellung großgeschrieben werden. Den Kontakt zu den Familien haben sich die Lots*innen nach und nach aufgebaut – ebenso über die Vermittlung durch unsere Sozialarbeit wie durch Beziehungspflege auf Gesprächsrunden durch die Unterkunft oder gemeinsame Unternehmungen.

So sind die Lots*innen einerseits eng in die Arbeitsprozesse der Sozialarbeit eingebunden, werden jedoch zugleich durch die Ehrenamtskoordination koordiniert. Diese Sonderrolle ermöglicht es, an der Schnittstelle beider Abteilungen auf die wichtigen Strukturen und Prozesse zuzugreifen, um die familiären Strukturen der Bewohner*innen gezielt zu stärken.

 

„Durch die flexible Arbeitsweise und die gemeinsame Sprache spielen die Familienlots*innen eine wesentliche Rolle in der Integrationsarbeit bei uns am Standort. In intensivem persönlichen Kontakt haben sie Vertrauen aufgebaut und schaffen es so, die Familien zu motivieren aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, erklärt Judit Juhasz, Ehrenamtskoordinatorin für Kinder- und Jugend.

So haben es die Familienlots*innen innerhalb der letzten Monate geschafft, dass Eltern und Kinder gemeinsam und vor allem selbstständig an Angeboten innherhalb – und, noch wichtiger – außerhalb der Unterkunft teilnehmen. Ohne starkes persönliches Engagement wäre ein solcher Erfolg nicht denkbar, wie Amin Hamzeloui erzählt: „Das ist ein emotionaler Job. Manchmal bin ich wie ein Sohn, ein Bruder oder einfach ein Freund für die Familien.“

Mittlerweile sind es 18 afghanische Familien, die der gebürtige Iraner, der selbst seit 5 Jahren in Deutschland lebt, betreut. Wie der Großteil unserer Bewohner*innen sehnen Sie sich im täglichen Leben insbesondere nach ganz grundständigen Dingen: eine eigene Wohnung und die Möglichkeit, endlich mal wieder selbst zu kochen!

 

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